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Große Türkei-Exkursion 2015 des Lehrstuhls für Geotechnik im Bauwesen an der RWTH Aachen University

Exkursionsberichte

39,50€ inkl. MwSt.

    Autor: Adams, Markus
    ISBN: 978-3-95886-143-5
    Auflage: 1
    Seiten: 144
    Einband: Paperback
    Reihe: GIB
    Band: 18

Zum Inhalt

Vorwort des Herausgebers

In der wieder aufgenommenen Tradition der großen Vertieferexkursionen führte uns nach China und Brasilien 2015 der Weg in die Türkei. Die Türkei ist derzeit in einem gewaltigen Aufschwung begriffen, was sich in zahlreichen im Bau befindlichen großen und ehrgeizigen Infrastrukturprojekten dokumentiert. Diese konzentrieren sich aber weitgehend auf die großen Städte und hierbei insbesondere auf die Weltstadt Istanbul mit ihren inzwischen an die 18 Millionen Einwohnern. Großprojekte wie der neue Großflughafen im Norden Istanbuls mit der zugehörigen Autobahn- und Bahnanbindung, die in diesem Zusammenhang errichtete dritte Bosporusbrücke, sowie der neben weiteren beeindruckenden Projekten eben im Rohbau fertig gewordene doppelstöckige Avrasya Tunnel unter dem Bosporus mit 11 bar Wasserüberdruck zeugen von großer Ingenieurkunst und dem unbändigen politischen Willen, das Land in die Moderne zu führen. Auf unserer Rundreise durch den Süden und Kappadokien wurde uns aber auch der große Gegensatz zwischen moderner Metropole und landwirtschaftlich geprägtem Hinterland deutlich, wobei wir die strukturschwachen Gebiete Ostanatoliens dabei noch gar nicht zu Gesicht bekamen.

Der große Gegensatz zwischen Stadt und Land drückt sich auch in der politischen Einstellung der türkischen Bevölkerung aus. Das Land ist stark gespalten und die unterschiedlichen Auffassungen über den richtigen Kurs stehen sich oftmals unversöhnlich gegenüber. Die in diesem Umfeld immer wieder vorkommenden terroristischen Anschläge gehören mittlerweile leider zum türkischen Alltag. Der nur wenige Tage vor unserem Eintreffen in Ankara inmitten einer friedlichen Demonstration stattgefundene verheerende Terroranschlag mit über 100 Toten vor dem Hauptbahnhof und gerade mal 500 Meter von unserem Hotel entfernt hat leider einen dunklen Schatten über unsere ganze Exkursion geworfen. Wenn man wie wir auf unserer Exkursion die offene, hilfsbereite und gastfreundliche Art der türkischen Bevölkerung erlebt hat, fällt es schwer zu glauben, dass es in diesem Land auch Leute gibt, die zu solchen Gräueltaten fähig sind.

Die große Vertieferexkursion war auch dieses Mal wieder nur mithilfe großzügiger Spenden der nachfolgend aufgeführten Firmen und zahlreichen ungenannten Freunden des Fördervereins für Geotechnik möglich. Ihnen allen sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt.

Bedanken möchte ich mich auch bei den Vertretern der Firmen, Büros und Bauherrn vor Ort, die uns mit großem Enthusiasmus ihre Bauvorhaben gezeigt und erläutert haben und uns auch schon im Vorfeld bei der Organisation tatkräftig unterstützt haben. Ganz besonders möchte ich mich für die dabei immer wieder vor Ort erfahrene herzliche Gastfreundschaft bedanken. Besonders danken möchte ich Herrn Dipl.-Ing. Gerhard Schulz, der uns seinerzeit schon bei der China-Exkursion mit vielen Tipps und Kontakten, die er während seiner Tätigkeit in China aufgebaut hatte, manche Tür geöffnet hat. Der Zufall wollte es, dass er dieses Mal als Projektleiter der Arcadis-Gruppe am neuen Flughafen von Istanbul tätig war und uns somit dieses gigantische Bauwerk aus erster Nähe demonstrieren konnte. Mit seinen Kontakten hat er uns auch dieses Mal Zugang zu interessanten weiteren Bauvorhaben geschaffen.

Mein besonderer Dank gilt der Reiseleitung Markus Adams und Thorsten Müller, die die Reise vorbildlich und perfekt organisiert haben. Tatkräftig unterstützt wurden sie von unserer Reiseleiterin vor Ort, Frau Yetişyiğit, die uns umfassend in Land, Leute und Geschichte des Landes einführte und sich geradezu fürsorglich um die Studierenden kümmerte, die von ihr liebevoll „gençlik“ (Jugend) genannt wurden.

Auch diese Reise war wieder etwas Besonderes. Sie führte uns in ein Land mit überwältigenden Zeugnissen der geschichtlichen Vergangenheit und in Landschaften von bizarrer Schönheit. Hier an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien zeigten sich aber auch die starken Gegensätze zwischen dem Leben in der Megacity Istanbul und dem in den einsameren ländlichen Regionen. Auf der einen Seite ein gewaltig aufstrebendes Land, dessen Infrastruktur mit entsprechender politischer Rückendeckung in Teilen des Landes mit beeindruckender Schnelligkeit und mit gigantischen Projekten aufgebaut wird, auch wenn diese sich nicht immer mit dem Interesse der Bevölkerung decken. Und auf der anderen Seite ein Land der Gegensätze und der politischen Spaltung, die sich nachdrücklich in dem gescheiterten Putschversuch vom Juli 2016 manifestiert hat. Es bleibt zu hoffen, dass das Land danach alsbald wieder zur Ruhe und Normalität zurückfindet.

 

Aachen, den 17.08.2016

 

Martin Ziegler

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